Schöne Säume ohne Coverlock nähen – Tipps für Jersey und Sweat

Warum Säume bei Jersey und Sweat oft schwierig sind

Du hast ein Shirt aus Jersey oder einen Pullover aus Sweat genäht – und dann kommt der Moment, vor dem viele Hobbynäherinnen ein bisschen Respekt haben: der Saum.

Denn während der Rest des Kleidungsstücks meist problemlos gelingt, kann der Saum schnell für Frust sorgen.
Die Naht wellt sich, reißt beim Anziehen oder sieht einfach nicht besonders professionell aus.

Viele denken dann: „Dafür bräuchte ich eigentlich eine Coverlock.“

Die gute Nachricht: Das stimmt nicht.
Auch mit einer normalen Nähmaschine lassen sich elastische, stabile und saubere Säume nähen – wenn man ein paar Dinge beachtet.

In diesem Artikel zeige ich dir:

  • welche Eigenschaften eine gute Saumnaht haben sollte
  • warum Säume bei Jersey und Sweat oft Probleme machen
  • zwei einfache Methoden für schöne Säume ohne Coverlock
  • und ein paar Tricks für besonders saubere Ergebnisse

Welche Eigenschaften eine gute Saumnaht haben sollte

Bei dehnbaren Stoffen wie Jersey, Sweat oder Strick muss ein Saum mehr leisten als nur „den Stoff festhalten“.

Eine gute Saumnaht sollte:

✅ elastisch sein – damit sie beim Anziehen nicht reißt
✅ stabil sein – damit sie viele Wäschen übersteht
✅ flach liegen – ohne Wellen oder Beulen
✅ sauber aussehen – idealerweise auch von innen

Gerade bei Shirts oder Sweatshirts sieht man den Saum sehr deutlich. Deshalb lohnt es sich, hier ein bisschen Sorgfalt zu investieren.

Typische Probleme bei Säumen aus Jersey und Sweat

Wenn du schon einmal Säume an dehnbaren Stoffen genäht hast, kennst du wahrscheinlich eines dieser Probleme:

  • Wellen im Saum
    Der Stoff dehnt sich beim Nähen und zieht sich danach wieder zusammen.
  • Gerissene Nähte
    Ein normaler Geradstich ist nicht elastisch genug und reißt beim Anziehen.
  • Tunnelbildung bei Zwillingsnadeln
    Zwischen den beiden Nähten entsteht eine kleine Wulst.
  • Unsaubere Innenkante
    Der Stoff franst aus
  • Der Saum rollt sich ein
    oder klappt nach oben

Der Grund für viele dieser Probleme ist einfach: Jersey und Sweat sind elastisch – normale Nähte aber nicht.

Deshalb brauchen diese Stoffe besondere Saumtechniken.

Vorbereitung: Säume immer zuerst versäubern

Bevor du den Saum nähst, lohnt sich ein kurzer Zwischenschritt:

👉 Versäubere zuerst die Saumkante.

Das hat mehrere Vorteile:

  • Der Stoff rollt sich weniger ein
  • Der Saum lässt sich sauberer bügeln
  • Die Naht wird stabiler
  • die Innenseite sieht ordentlich aus

Zum Versäubern kannst du verwenden:

  • eine Overlock
  • einen Overlockstich deiner Nähmaschine
  • oder einen Zickzackstich (z.B. 3 mm Stichlänge, 5 mm Stichbreite)

Danach wird der Saum gleichmäßig nach innen gebügelt. Bewährt haben sich bei mir 2,5 bis 4 cm Saumzugabe.

Methode 1: Der einfache Saum mit der Nähmaschine

Diese Methode ist besonders anfängerfreundlich und funktioniert bei fast allen Jerseys und Sweatstoffen.

So geht’s:

  1. Saumkante versäubern
    Ton-in-Ton mit Overlock oder Zickzackstich

  2. Saum nach innen bügeln
    Achte darauf, dass die Breite überall gleich ist

  3. Von links absteppen auf der Versäuberungsnaht

    Du kannst dafür verwenden:
    - Geradstich (ca. 3 mm Stichlänge)
    - schmalen Zickzackstich (ca. 2,5 mm Länge und Breite)

Das Ergebnis:

  • Außen wirkt der Saum schlicht und sauber
  • Innen ist die Kante ordentlich eingefasst
  • und die Naht bleibt elastisch genug für viele Kleidungsstücke

Wichtig:
Teste vorher verschiedene Stiche auf einem doppelt gelegten Stoffrest.
So findest du schnell heraus, welcher Stich bei deinem Stoff elastisch genug ist und am besten funktioniert.

Methode 2: Säume mit der Zwillingsnadel

Wenn du dir eine professionellere Optik wünschst, ist die Zwillingsnadel eine tolle Lösung. Vielleicht kennst du das von gekauften T-Shirts: Am Saum sieht man zwei parallele Nähte. Genau diesen Effekt kannst du mit einer Zwillingsnadel auch mit einer normalen Nähmaschine nähen.

Was ist eine Zwillingsnadel?

Eine Zwillingsnadel besteht aus zwei parallel angeordneten Nadeln mit einer Aufnahme – du fädelst einfach zwei Oberfäden durch dieselbe Führung deiner Nähmaschine, nur am Ende jeweils in ein Nadelöhr und nähst mit einem Geradstich. So entsteht oben eine Doppelnaht, unten ein Zickzack, perfekt für Säume an dehnbaren Stoffen!

Du fädelst wie folgt ein:

  • zwei Oberfäden in die Maschine
  • jeder Faden geht durch ein eigenes Nadelöhr
  • Genäht wird ganz normal mit einem Geradstich.

Das Ergebnis:

  • oben entstehen zwei parallele Nähte
  • unten bildet der Unterfaden einen Zickzack

👉 Dieser Zickzack sorgt dafür, dass die Naht dehnbar bleibt.

Perfekt für Säume an Shirts, Tops oder Sweatshirts aus elastischen Stoffen.

So erkennst du eine gute Zwillingsnaht

Eine gute Zwillingsnaht erkennst du daran:

✅ die Oberseite ist flach
✅ keine Wulst zwischen den Nähten
✅ der Unterfaden bildet einen Zickzack
✅ der Stoff wellt sich nicht

Teste deine Naht unbedingt an einem Stoffstück. Sie sollte so aussehen, dass sich auf der Oberseite keine Wulst bildet, auf der Unterseite soll der Unterfaden zickzackförmig aussehen. Die Naht sollte sich nicht wellen.

 

Test 1: Genäht mit einer mittleren Oberfadenspannung „4“: zwar eine schöne Optik oben, aber kein Zickzack auf der Rückseite – die Naht ist nicht elastisch genug.

 

Test 2: Die Oberfadenspannung ist erhöht auf „8“: die Doppelnaht oben ist gut, hat aber eine leichte Wulst, der Unterfaden bildet ein Zickzackmuster und ist elastisch – besser!

 

Test 3: Ich lasse die Oberfadenspannung auf „8“, nehme für den Unterfaden aber ein dünnes Bauschgarn: die perfekte Kombi! Oben ist eine schöne Doppelnaht ohne Wulst und der Unterfaden bildet ein tolles Zickzackmuster. Die Naht ist dehnbar, glatt und sauber – wie gekauft.

Extra-Tipps für perfekte Säume mit der Zwillingsnadel

Manchmal braucht es ein paar kleine Tricks, damit die Naht wirklich schön wird.

Diese Einstellungen helfen oft:

🧵 Stichlänge:
3,5 bis 4 mm

🧵 Fadenspannung:
Oberfadenspannung leicht erhöhen
Unterfadenspannung ggf. etwas lockern

🧵 Obertransportfuß nutzen
Hilft besonders bei sehr weichen Jerseys.

🧵 Bauschgarn verwenden
z. B. Ackermann Stärke 120 – sorgt für mehr Elastizität

🧵 Stickvlies unterlegen
Auswaschbares Stickvlies stabilisiert den Stoff beim Nähen.

🧵 Sprühstärke verwenden
Ein leichter Sprühstärke-Film auf der linken Stoffseite verhindert das Wellen.

👉  Und ganz wichtig:
Ziehe den Stoff niemals an den Fäden aus der Maschine.
Das kann die Zwillingsnaht sofort verziehen.

Kreative Idee: Zierstiche mit der Zwillingsnadel

Mit einer Zwillingsnadel kannst du nicht nur klassische Säume nähen. Viele Nähmaschinen erlauben auch schmale Zierstiche, die mit der Zwillingsnadel genäht werden können. Wenn du dazu unterschiedliche Garnfarben verwendest, entstehen dekorative Effekte.

Wichtig:
Der Stich darf nicht breiter sein als der Abstand der Nadeln, sonst können die Nadeln auf die Stichplatte treffen. Teste das unbedingt ganz vorsichtig mit dem Handrad aus!

Fazit: Schöne Säume funktionieren auch ohne Coverlock

Eine Coverlock ist zwar praktisch und die Nähte wirken hochprofessionell – aber sie ist keineswegs zwingend nötig.

Mit der richtigen Vorbereitung, einer passenden Stichwahl und ein paar kleinen Tricks lassen sich auch mit einer normalen Nähmaschine:

  • elastische
  • stabile
  • und optisch schöne Säume

nähen.

Besonders die Zwillingsnadel ist dabei perfekt für professionelle Ergebnisse.

 


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🍐birnenschöne Grüße, deine Cindy


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Über die Autorin

Autor

Cindy

Cindy ist Gründerin von birnenschön nähen und bietet Online-Nähkurse und Nähcoachings für Frauen mit Birnenfigur an, damit sich die Teilnehmerinnen eine selbstgenähte Garderobe aufbauen können, die perfekt zu ihrer Figurform passt.

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© Cindy Traub | birnenschön nähen

Blog erstellt mit FunnelCockpit