Du hast ein Shirt aus Jersey oder einen Pullover aus Sweat genäht – und dann kommt der Moment, vor dem viele Hobbynäherinnen ein bisschen Respekt haben: der Saum.
Denn während der Rest des Kleidungsstücks meist problemlos gelingt, kann der Saum schnell für Frust sorgen.
Die Naht wellt sich, reißt beim Anziehen oder sieht einfach nicht besonders professionell aus.
Viele denken dann: „Dafür bräuchte ich eigentlich eine Coverlock.“
Die gute Nachricht: Das stimmt nicht.
Auch mit einer normalen Nähmaschine lassen sich elastische, stabile und saubere Säume nähen – wenn man ein paar Dinge beachtet.
In diesem Artikel zeige ich dir:
Bei dehnbaren Stoffen wie Jersey, Sweat oder Strick muss ein Saum mehr leisten als nur „den Stoff festhalten“.
Eine gute Saumnaht sollte:
✅ elastisch sein – damit sie beim Anziehen nicht reißt
✅ stabil sein – damit sie viele Wäschen übersteht
✅ flach liegen – ohne Wellen oder Beulen
✅ sauber aussehen – idealerweise auch von innen
Gerade bei Shirts oder Sweatshirts sieht man den Saum sehr deutlich. Deshalb lohnt es sich, hier ein bisschen Sorgfalt zu investieren.
Wenn du schon einmal Säume an dehnbaren Stoffen genäht hast, kennst du wahrscheinlich eines dieser Probleme:
Der Grund für viele dieser Probleme ist einfach: Jersey und Sweat sind elastisch – normale Nähte aber nicht.
Deshalb brauchen diese Stoffe besondere Saumtechniken.
Bevor du den Saum nähst, lohnt sich ein kurzer Zwischenschritt:
👉 Versäubere zuerst die Saumkante.
Das hat mehrere Vorteile:
Zum Versäubern kannst du verwenden:
Danach wird der Saum gleichmäßig nach innen gebügelt. Bewährt haben sich bei mir 2,5 bis 4 cm Saumzugabe.
Diese Methode ist besonders anfängerfreundlich und funktioniert bei fast allen Jerseys und Sweatstoffen.
So geht’s:
Das Ergebnis:
Wichtig:
Teste vorher verschiedene Stiche auf einem doppelt gelegten Stoffrest.
So findest du schnell heraus, welcher Stich bei deinem Stoff elastisch genug ist und am besten funktioniert.
Wenn du dir eine professionellere Optik wünschst, ist die Zwillingsnadel eine tolle Lösung. Vielleicht kennst du das von gekauften T-Shirts: Am Saum sieht man zwei parallele Nähte. Genau diesen Effekt kannst du mit einer Zwillingsnadel auch mit einer normalen Nähmaschine nähen.

Eine Zwillingsnadel besteht aus zwei parallel angeordneten Nadeln mit einer Aufnahme – du fädelst einfach zwei Oberfäden durch dieselbe Führung deiner Nähmaschine, nur am Ende jeweils in ein Nadelöhr und nähst mit einem Geradstich. So entsteht oben eine Doppelnaht, unten ein Zickzack, perfekt für Säume an dehnbaren Stoffen!
Du fädelst wie folgt ein:
Das Ergebnis:
👉 Dieser Zickzack sorgt dafür, dass die Naht dehnbar bleibt.
Perfekt für Säume an Shirts, Tops oder Sweatshirts aus elastischen Stoffen.
Eine gute Zwillingsnaht erkennst du daran:
✅ die Oberseite ist flach
✅ keine Wulst zwischen den Nähten
✅ der Unterfaden bildet einen Zickzack
✅ der Stoff wellt sich nicht
Teste deine Naht unbedingt an einem Stoffstück. Sie sollte so aussehen, dass sich auf der Oberseite keine Wulst bildet, auf der Unterseite soll der Unterfaden zickzackförmig aussehen. Die Naht sollte sich nicht wellen.
Test 1: Genäht mit einer mittleren Oberfadenspannung „4“: zwar eine schöne Optik oben, aber kein Zickzack auf der Rückseite – die Naht ist nicht elastisch genug.
Test 2: Die Oberfadenspannung ist erhöht auf „8“: die Doppelnaht oben ist gut, hat aber eine leichte Wulst, der Unterfaden bildet ein Zickzackmuster und ist elastisch – besser!
Test 3: Ich lasse die Oberfadenspannung auf „8“, nehme für den Unterfaden aber ein dünnes Bauschgarn: die perfekte Kombi! Oben ist eine schöne Doppelnaht ohne Wulst und der Unterfaden bildet ein tolles Zickzackmuster. Die Naht ist dehnbar, glatt und sauber – wie gekauft.
Manchmal braucht es ein paar kleine Tricks, damit die Naht wirklich schön wird.
Diese Einstellungen helfen oft:
🧵 Stichlänge:
3,5 bis 4 mm
🧵 Fadenspannung:
Oberfadenspannung leicht erhöhen
Unterfadenspannung ggf. etwas lockern
🧵 Obertransportfuß nutzen
Hilft besonders bei sehr weichen Jerseys.
🧵 Bauschgarn verwenden
z. B. Ackermann Stärke 120 – sorgt für mehr Elastizität
🧵 Stickvlies unterlegen
Auswaschbares Stickvlies stabilisiert den Stoff beim Nähen.
🧵 Sprühstärke verwenden
Ein leichter Sprühstärke-Film auf der linken Stoffseite verhindert das Wellen.
👉 Und ganz wichtig:
Ziehe den Stoff niemals an den Fäden aus der Maschine.
Das kann die Zwillingsnaht sofort verziehen.
Mit einer Zwillingsnadel kannst du nicht nur klassische Säume nähen. Viele Nähmaschinen erlauben auch schmale Zierstiche, die mit der Zwillingsnadel genäht werden können. Wenn du dazu unterschiedliche Garnfarben verwendest, entstehen dekorative Effekte.
Wichtig:
Der Stich darf nicht breiter sein als der Abstand der Nadeln, sonst können die Nadeln auf die Stichplatte treffen. Teste das unbedingt ganz vorsichtig mit dem Handrad aus!
Eine Coverlock ist zwar praktisch und die Nähte wirken hochprofessionell – aber sie ist keineswegs zwingend nötig.
Mit der richtigen Vorbereitung, einer passenden Stichwahl und ein paar kleinen Tricks lassen sich auch mit einer normalen Nähmaschine:
nähen.
Besonders die Zwillingsnadel ist dabei perfekt für professionelle Ergebnisse.
Die richtige Oberteillänge ist übrigens auch ein fester Bestandteil meines Passform-Grundkurses. Dort schauen wir uns gemeinsam Schritt für Schritt an, wie du Proportionen beurteilst, Schnitte anpasst und deine persönlichen Wohlfühl-Längen findest.
Wenn du das Thema nicht nur theoretisch verstehen, sondern gemeinsam und begleitet umsetzen möchtest, kannst du dich jetzt unverbindlich auf die Warteliste für den nächsten Kurs eintragen.
👉 Hier geht’s zur Warteliste: https://www.birnenschoen.de/grundkurs-oberteile/
So erfährst du als Erste, wann der Kurs wieder öffnet.
🍐birnenschöne Grüße, deine Cindy
PS: Das Video zum Blogartikel findest du auf meinem YouTube-Kanal: Zum Video
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Über die Autorin

Cindy
Cindy ist Gründerin von birnenschön nähen und bietet Online-Nähkurse und Nähcoachings für Frauen mit Birnenfigur an, damit sich die Teilnehmerinnen eine selbstgenähte Garderobe aufbauen können, die perfekt zu ihrer Figurform passt.
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